#LeipzigHilft

Das Thema der letzten Tage und Wochen ist ja leider die Hochwasser-Situation in vielen Teilen Deutschlands. Vielerorts bildeten sich ausgelöst durch die Flut quasi über Nacht Aktionsgruppen und Teams, vorallem über Soziale Netzwerke, die mit ihren Mitteln versuchen der Situation Herr zu werden und zu helfen, wo und wie es geht. Eine Aktion, von der ich über die L-IZ erfuhr, ist LeipzigHilft. Da ich unbedingt helfen wollte und man als einzelstehender aber relativ wenig ausrichten kann, beschloss ich am Freitag letzer Woche, kurzerhand mitzumachen.

Zusammen mit vielleicht 50 bis 70 anderen sind wir am Wochenende von Leipzig aus im Fahrzeugkorso „ausgerückt“. Wir fuhren ordnungsgemäß mit blauen Fähnchen beflaggt und mit Polizeischutz los nach Dautzschen, was nördlich von Torgau, im Kreis Nordsachsen liegt. Durch Torgau fließt die Elbe, und ihr könnt euch denken, worum es ging. Kaum angekommen, wurden wir schon von den vor Ort tätigen Freiwilligen Feuerwehren Prettin und Axien empfangen, und an den Ort des Geschehens geführt. Aufgabe des Tages war es, einen Damm von mehreren hundert Metern Länge mit Sandsäcken zu verstärken und abzusichern. Beliefert wurden wir mit allem was fahren und Lasten tragen konnte, sei es ein Baustellen-LKW, Trecker, Bw-KAT oder ein vergleichsweise kleines Multicar.

Ich glaube ich lasse mal Bilder sprechen:

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Gegen Feierabend und nach gefühlten zehn Millionen Sandsäcken wurden wir von Bw-Truppen abgelöst, die den Damm weiter verstärkten. Glücklich, etwas bewegt zu haben, aber auch erschöpft und müde fuhren wir dann zurück nach Leipzig, wo wir gegen 20h eintrafen. Viele von uns sagten gleich zu, am nachfolgenden Sonntag erneut bereit zu sein, wo auch immer es hingehen möge. Ich entschied mich spontan auch dafür, denn wenn man schon mal so ein tolles Team hat, dann soll man auch dabei bleiben.

Sonntag so ab neun Uhr, nachdem wir alle hoffentlich gut ausgeschlafen hatten, trafen wir uns wieder am üblichen Ort, am Chausseehaus Leipzig. Die Orga klärte noch bis zur letzten Minute das Ziel ab und entschieden wurde für die Stadt Meißen (Stichwort Porzellan) , die es wie wir später selbst sehen würden, schwer getroffen hatte. Langsam füllte sich der Parkplatz und ich meine deutlich mehr Leute als am Vortag gezählt zu haben.

Nach kurzer organisatorischer Einweisung ging es wie Tags zuvor mit Polizeibegleitung auf die A14 Richtung Dresden. Kolonne fahren in der Stadt ist schon nicht ohne, da man gut aufpassen muss den Anschluß nicht zu verlieren und das sich niemand zwischen reindrängelt. Auf der Autobahn mit Tempo 100 ist das noch ne Ecke anders, vorallem da man den Abstand zwischen den Autos nicht zu groß lassen sollte. Mein ganz großer Dank geht an unsere beiden Motorradbegleiter, die für uns die Auffahrten freihielten, denn Ausweichen für einen Auffahrenden geht in der Kolonne nicht wirklich. Es macht auf jeden Fall Spaß, mal sowas zu erleben.

In Meißen angekommen, halfen wir zuerst eine von Sand und Geröll verschlammte Kreuzung freizuräumen, bevor wir uns dann in kleine Grüppchen aufteilten und an verschiedenen Orten halfen. Mich verschlug es mit ein paar anderen in die Altstadt, wo wir z.B. zusammen mit Helfern der Pfadfinder versaute und klitschnasse Bodenbeläge aus den Läden und Geschäften rausrissen. Die Verlegefirmen haben jedenfalls seinerzeit gute Arbeit geleistet, denn die Auslegware hielt verdammt gut und waren teilweise nur mit roher Gewalt vom Estrich zu trennen. Wir hätten gleich zu Anfang auf den Trick kommen sollen, uns Grifflöcher in den Belag reinzuschneiden. Man lernt halt nie aus. 😉

Insgesamt haben wir über den Tag verteilt fünf bis sechs Läden ausgeräumt, denn so gut wie alles war durch das Wasser zerstört und unbrauchbar.

Was insgesamt an Helfern und Hilfsorganisationen in Meißen tätig war, ist schon erstaunlich. Bundeswehr, THW, unzählige Freiwillige, die Pfadfinder, die Heilsarmee, die mit Pendelbussen alle Helfer kontinuierlich mit Essen und Trinken versorgte und viele viele mehr. Es ist gut zu sehen, das die Menschen so zusammenarbeiten können, wenn sie nur wollen. Schade, das es da immer erst Katastrophen als Auslöser braucht.

Schön und guttuend fand ich die Dankbarkeit, die uns entgegengebracht wurde. Sei es der direkte Dank einer Ladenbesitzerin, der wir mit unserem Tun ein klein Wenig Mut und Zuversicht geben konnten, oder aber die winkenden Leute am Straßenrand, die uns sowohl in Torgau als auch in Meißen grüßten.

Jetzt aber wieder ein paar Bilder vom Tag:

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Ich habe hier bewusst auf Fotos aus der Innenstadt weitesgehend verzichtet, da ich nichts von Katastrophensightseeing halte. Was ich auch in Meißen erlebt habe, ist das es Spaziergänger in „Sonntagsuniform“ gab, die einfach nur zum Gaffen durch die Innenstadt schlenderten und dann durch die Polizei und andere Kräfte zum weitergehen überredet werden mussten. Sowas ist einfach nur übel.

Weitere Bilder gibt es sicher in Bälde auch bei LeipzigHilft.

Ich möchte mich hiermit bei allen Mithelfern, der Orga von LeipzigHilft, dem Verpflegungsteam und allen, die zum Gelingen der Aktion beigetragen haben, herzlich bedanken. Dieses Wochenende war eine sicher noch lange nachwirkende Erfahrung für mich.

Nachtrag: Unsere Aktion hat einiges Presseecho erzeugt, was ich hier gerne verlinken möchte:

  • Leipziger Internet-Zeitung: Flutkatastrophe: Heilsarmee Leipzig zieht Zwischenbilanz
  • Leipziger Internet-Zeitung: Reinigungs- und Aufräumeinsatz von ca. 60 Leipziger Helfern in Meißen
  • Leipzig-Fernsehen: Videointerview mit einem der Aktionsgründer
  • Leipziger Internet-Zeitung: Leipzig hilft (1) – Keine Helden sondern Menschen: Wie "Leipzig hilft" entsteht
  • Kommentar ( 1 )

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